Apfelbaum schneiden: wann, wie viel und welche Baumform

Schema: Links ein kahler Apfelbaum vor dem Winterschnitt; verblasst und mit Schnittlinie markiert sind ein abgestorbener Ast, ein kräftiger Trieb zur Kronenmitte, ein Ast, der einen Hauptast kreuzt und nach innen wächst, und ein tief ansetzender Ast, der nach unten wächst. Rechts dieselbe Krone danach, offen und mit gut verteilten, nach außen wachsenden Ästen.
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Von Foliasana · Aktualisiert: 14. September 2026

Einen freistehenden Apfelbaum sollten Sie nach dem Winterschnitt-Leitfaden der Royal Horticultural Society (RHS) jeden Winter schneiden, damit er ertragreich bleibt und nicht zu groß wird. Eine offene Krone mit gut verteilten Ästen trägt nach demselben Leitfaden dazu bei, dass der Baum gesund bleibt und Früchte guter Qualität trägt: Licht erreicht alle Teile der Krone, die Luft kann hindurchziehen, die Früchte werden besser, und es gibt weniger Schädlinge und Krankheiten. Platzsparende Formen wie Spalier, Kordon, Fächer und Pyramide schneiden Sie dagegen im Sommer.

Beim Termin für den Winterschnitt und bei der Frage, was § 39 des Bundesnaturschutzgesetzes für den Obstbaumschnitt bedeutet, gehen die Quellen dieser Seite auseinander. Beides steht weiter unten mit Namen nebeneinander.

Wann geschnitten wird: Winter, Frühjahr oder Sommer

Geschnitten wird nach dem Winterschnitt-Leitfaden der RHS, solange der Baum ruht, also zwischen Laubfall und neuem Austrieb; das ist meist zwischen November und Anfang März. Das gilt für eingewachsene Buschbäume mit einer Krone auf kurzem Stamm sowie für Halb- und Hochstämme, in der Regel ab dem vierten oder fünften Jahr nach der Pflanzung. Für platzsparende Formen wie Spalier, Kordon, Fächer und Pyramide empfiehlt derselbe Leitfaden den Sommerschnitt; der Sommerschnitt-Leitfaden der RHS nennt dazu auch die Spindel und hält fest, dass Busch- und Hochstämme im Winter geschnitten werden.

Treibt ein freistehender Baum trotz eher leichtem Schnitt jedes Jahr übermäßig viel neues Holz, sollten Sie nach dem Winterschnitt-Leitfaden erwägen, ihn zusätzlich im Sommer zu schneiden, verteilt auf die Zeit von Mitte August bis Mitte September. Gekürzt werden dann nur die kräftigeren Seitentriebe, nicht alle: Wo der Zuwachs des laufenden Jahres länger als 30 cm ist, nehmen Sie ihn auf 15 cm zurück. Den diesjährigen Zuwachs erkennen Sie nach demselben Leitfaden meist am belaubten Ende des Triebs, das sich leicht biegen lässt und hellere Rinde hat. Ein Sommerschnitt zehrt an den Reserven des Baumes und hilft, den Wuchs zu bremsen.

Die Bayerische Gartenakademie setzt den Schnitt später an. Sie beschreibt, dass viele den Garten bis Anfang November winterfest haben möchten und meinen, dazu gehöre auch der Schnitt der Obst- und Ziergehölze. In so frühen Schnitten sieht sie ein erhebliches Risiko: Bis zum Frühjahr schließen sich die Wunden nicht, und über etwa sechs bis sieben Monate können Pilze und Bakterien eindringen. Bei Obstgehölzen nennt sie besonders die Erreger von Obstbaumkrebs, Bakterienbrand und Rotpustelkrankheit. Dazu kann Frost die offenen Wunden weiter schädigen, und Knospen dicht am Schnitt können erfrieren oder vertrocknen. Sie verlegt den Schnitt deshalb ins Frühjahr. Einen festen Termin nennt sie nicht, weil er vom Wetter abhängt; nach ihr kann der Beginn des Austriebs als grobe Faustregel dienen. Anfang März nennt sie als guten Zeitpunkt für Weinreben und Kiwi; anderes Obst kann nach ihr bis knapp vor der Blüte warten.

Ein Schnitt ab März fällt in den Zeitraum, den § 39 des Bundesnaturschutzgesetzes regelt; das ist eine Rechnung dieser Seite. Was die NABU-Verbände dazu schreiben, steht weiter unten bei Vögeln und Gesetz.

Wie viel ab darf

Wie viel ab darf, hängt nach dem Winterschnitt-Leitfaden der RHS von der Wuchskraft des Baumes ab und verlangt etwas Augenmaß; beim jährlichen Winterschnitt sollten es etwa 10-20 % der Krone sein, und auch der Einsteigerleitfaden der RHS nennt 10-20 % für einen Winter. Er rät, gleichmäßig rund um den Baum zu arbeiten und den Schnitthaufen im Blick zu behalten: Wirkt er schon etwas groß, hören Sie auf, im nächsten Jahr können Sie weitermachen. Wer zu stark schneidet, bekommt nach dem Winterschnitt-Leitfaden eine Masse kräftiger, aufrechter Triebe, die Wasserschosse, und je mehr Sie schneiden, desto stärker treibt ein gesunder Baum nach dem Einsteigerleitfaden wieder aus.

Bei einem alten Baum, den Sie verjüngen, können Sie nach dem Leitfaden der RHS für alte Bäume bis zu 25 % der Krone in einem Jahr entfernen; muss mehr weg, bleibt der Rest für die folgenden Jahre. Nach dem Leitfaden der RHS zu Wasserschossen treiben diese Triebe besonders zahlreich aus, wenn mehr als 25 % der Krone auf einmal fallen.

Bei Sorten, die ganz oder teilweise an den Triebspitzen tragen, sollten Sie nach dem Winterschnitt-Leitfaden aufpassen, nicht zu viel zu schneiden, weil dabei der größte Teil des möglichen Fruchtholzes wegfallen kann. Das routinemäßige, strenge Einkürzen aller jungen Triebe bei Sorten, die an kurzen Fruchtspießen tragen, empfiehlt der Winterschnitt-Leitfaden nicht mehr.

So schneiden Sie einen eingewachsenen Baum im Winter

Beginnen Sie nach dem Winterschnitt-Leitfaden der RHS mit toten, kranken und beschädigten Trieben und Ästen. Danach geht es Schritt für Schritt weiter:

  • Sich kreuzende Triebe, die aneinander scheuern, nehmen Sie heraus; stehen lassen Sie den besser platzierten, nach außen wachsenden, sofern er nicht stark beschädigt ist.
  • Kräftige Triebe, die zur Kronenmitte wachsen, schneiden Sie heraus. Schwächere bis 20 cm Länge können ungeschnitten bleiben.
  • Tief ansetzende Äste, die nach unten wachsen, wenig Licht bekommen und im Weg sein könnten, schneiden Sie auf einen stärker aufwärts wachsenden Ast oder bis zum Stamm zurück.
  • Den Vorjahreszuwachs an jedem Hauptast kürzen Sie um ein Viertel bis ein Drittel, knapp über einer nach außen zeigenden Knospe; das fördert die Verzweigung und die Bildung von Fruchtspießen.
  • Junge Seitentriebe lassen Sie ungeschnitten, damit sie im zweiten Jahr Blütenknospen bilden. Entfernen Sie sie nur, wenn sie sich kreuzen oder zu dicht stehen, am Ansatz näher als 10-15 cm.
  • Bei Sorten, die an Fruchtspießen tragen, lichten Sie an älteren Bäumen zu dicht stehende Fruchtspieße, also kurze, gedrungene Triebe mit Blütenknospen, auf 10-15 cm Abstand entlang der Äste aus.
  • Bei Sorten, die ganz oder teilweise an den Triebspitzen tragen, kürzen Sie ältere, lange, abgetragene Äste um bis zu ein Viertel auf einen kräftigen jüngeren Seitentrieb näher am Stamm ein.
  • Ist ein größerer, älterer Baum zu hoch oder zu dicht, kürzen Sie größere Äste um bis zu ein Drittel, und zwar auf einen kräftigen, nach außen und oben zeigenden Seitenast, der mindestens ein Drittel so dick ist wie der geschnittene Ast.

Nach dem Einsteigerleitfaden der RHS nehmen Sie jeden Winter etwas altes Holz heraus, um neues anzuregen; der größte Teil des Fruchtholzes sollte aber jung sein, ein bis vier Jahre alt, denn dieses Holz trägt am besten. Wer nur die oberen Äste schneidet, bekommt genau dort ein Dickicht junger Triebe ohne Früchte, die dann jedes Jahr wieder abgeschnitten werden.

Auch ein Baum, der regelmäßig im Winter geschnitten wird, wird nach dem Winterschnitt-Leitfaden wahrscheinlich allmählich größer. Hat er die für seine Unterlage optimale Größe erreicht, lässt sich eine Verjüngung nach demselben Leitfaden mit einem gesonderten Schnittverfahren der RHS vermeiden, das die Größe hält, ohne den Ertrag zu mindern.

Ein junger Baum: die ersten vier Jahre

Junge Apfelbäume brauchen nach dem Leitfaden der RHS für junge Bäume einen guten Erziehungsschnitt, damit ein ertragreicher Baum mit ausgewogenem Astgerüst entsteht. Ziel ist ein freistehender Baum mit einem kurzen Stamm von 70-90 cm und einer becherförmigen, in der Mitte offenen Krone; bei Halb- und Hochstämmen gehen Sie genauso vor, sie haben nur einen höheren astfreien Stamm. Bleibt der junge Baum ungeschnitten, bildet er nach dem Leitfaden entweder lange, schlaffe Äste, die sich unter der Last der Früchte biegen, oder er beginnt an den Spitzen langer Äste zu tragen, ohne eine gute Form zu bekommen.

Der erste Schnitt folgt gleich nach der Pflanzung, solange der Baum ruht, zwischen Laubfall und Knospenaufbruch, meist von November bis Anfang März. Getopfte Bäume lassen sich auch im späten Frühjahr und im Sommer pflanzen; dann ist es nach dem Leitfaden im Allgemeinen besser, den ersten Schnitt auf den folgenden Winter zu verschieben.

Eine einjährige Veredlung ohne Seitentriebe kürzen Sie bei der Pflanzung knapp über einer Knospe in etwa 75 cm Höhe ein; darunter sollten drei oder vier gesunde Knospen sitzen. Auf der schwachwachsenden Unterlage M27 schneiden Sie auf 60 cm. Bei der einjährigen Veredlung ohne Seitentriebe folgt im nächsten Winter der Schnitt des ersten Jahres, den eine Veredlung mit Seitentrieben oder ein zweijähriger Baum gleich bekommt: Der oberste ausgewählte Seitentrieb soll etwa 75 cm über dem Boden stehen, auf M27 60 cm, und den Mitteltrieb schneiden Sie knapp darüber ab. Wählen Sie drei oder vier kräftige, gleichmäßig verteilte, weitwinklig nach außen wachsende Seitentriebe, kürzen Sie sie um die Hälfte bis zwei Drittel über einer nach außen zeigenden Knospe und entfernen Sie die Seitentriebe darunter, damit ein astfreier Stamm entsteht.

Im zweiten Jahr wählen Sie acht bis zehn Seitentriebe als dauerhaftes Astgerüst, aus dem die Fruchtäste wachsen, und kürzen sie um ein Drittel bis die Hälfte. Treibt der Baum in der Mitte einen weiteren kräftigen, aufrechten Trieb, nehmen Sie ihn ganz heraus, damit die Krone offen bleibt. Im dritten Jahr kürzen Sie an den Hauptästen den Zuwachs des Vorjahres um ein Viertel; die Seitentriebe der Hauptäste bleiben ungeschnitten, denn sie bilden Fruchtspieße und tragen. Entfernen Sie sie nur, wenn sie in die Kronenmitte wachsen, zu dicht stehen oder aneinander scheuern. Ab dem vierten Jahr gilt der Winterschnitt-Leitfaden.

Früchte entfernen Sie nach dem Leitfaden für junge Bäume im ersten Jahr, weil sich ein junger Baum auf das Anwachsen und den Aufbau der Krone konzentrieren muss; im zweiten Jahr dürfen bei gutem Wuchs ein oder zwei Früchte reifen.

Ein alter oder verwilderter Baum

Ein alter, vernachlässigter oder zu groß gewordener Apfelbaum lässt sich nach dem Leitfaden der RHS für alte Bäume mit sorgfältigem Schnitt wieder zu einem ansehnlichen Gartenbaum mit reicher Ernte machen. Das lohnt sich, solange Stamm und Hauptäste gesund sind, neu austreiben und tragen. Größere Bäume sollten Sie vorher von einem qualifizierten Baumpfleger prüfen lassen, ob sie standsicher sind und keine Gefahr darstellen.

Verjüngt wird nach dem Leitfaden zwischen spätem Herbst und spätem Winter, wenn der Baum kein Laub trägt. In einem Jahr können Sie bis zu 25 % der Krone entfernen, den Rest heben Sie sich für die folgenden Jahre auf; ein großer Umbau zieht sich über zwei oder drei Jahre. Es ist verlockend, alles auf einmal zu machen, doch auf zu starken Schnitt antwortet der Baum mit vielen aufrechten, kräftigen Wasserschossen, die die Krone gleich wieder füllen.

Bei einem großen, zu groß gewordenen Baum beginnen Sie nach dem Leitfaden für alte Bäume mit toten, abgebrochenen und kranken Ästen und Trieben und achten dabei besonders auf Obstbaumkrebs, der bei älteren Bäumen häufig vorkommt. Untere Äste, die wenig Licht bekommen oder im Weg sind, können ganz fallen oder auf einen aufrechten Trieb zurückgeschnitten werden. Größere Äste, die in die Kronenmitte wachsen, nehmen Sie heraus; kleinere Triebe können bleiben. Von zwei sich kreuzenden Ästen, die aneinander scheuern, bleibt der besser platzierte, nach außen wachsende, sofern er nicht stark beschädigt ist. Zu lange oder zu hohe Äste setzen Sie auf einen kräftigen, gut platzierten, nach oben und außen wachsenden Seitenast weiter unten ab, der mindestens ein Drittel so dick ist wie der entfernte Ast; sonst drohen Rücksterben oder übermäßig viele Wasserschosse. Ziel sind gut verteilte Hauptäste mit 50-60 cm Abstand, gemessen auf halber Astlänge; sind es mehr als acht bis zehn, nehmen Sie die überzähligen heraus. Aststummel sollten Sie möglichst vermeiden, weil sie Wasserschosse oder Rücksterben fördern.

Bei einem großen Baum sollten Sie Äste mit mehr als 20 cm Durchmesser nach dem Leitfaden für alte Bäume nur entfernen, wenn es wirklich nötig ist: Große Schnittwunden verheilen womöglich schlecht, und das Entfernen großer Äste kann den Baum belasten. Der Einsteigerleitfaden der RHS setzt die Grenze niedriger. Als Faustregel sollten Sie nach ihm schon ab 10-12 cm Durchmesser zweimal überlegen, und selbst bei sehr alten Bäumen rät er, der Versuchung zu widerstehen, große Äste abzusägen, weil solche Stellen von Fäulnis bedroht sind.

Einen sehr großen Baum können Sie durch die Verjüngung niedriger und ansehnlicher machen, vielleicht trägt er auch besser; als kleinen Baum werden Sie ihn nach dem Leitfaden für alte Bäume aber kaum halten können. Ist er dem Platz völlig entwachsen oder ist Ihnen ein verlässlicher Ertrag am wichtigsten, sollten Sie nach demselben Leitfaden erwägen, ihn durch einen neuen Baum auf schwachwachsender Unterlage zu ersetzen, wie ihn Baumschulen anbieten. Müssen große, schwere Äste herunter oder wird auf der Leiter gearbeitet, sollten Sie erwägen, einen qualifizierten Baumpfleger hinzuzuziehen.

Anders geht der Leitfaden für alte Bäume bei einem kümmernden, ausgehungerten Baum vor. Ein solcher Baum treibt wenig neu aus, hat aber oft überfüllte, dichte Fruchtspieße; werden Äste und Fruchtspieße ausgelichtet, kommen nach dem Leitfaden Licht und Luft in die Krone, und das regt die Bildung neuer Äste an. Geschnitten wird im späten Herbst oder im Winter: zuerst totes, beschädigtes oder krankes Holz, dann tief wachsende Äste, die wenig Licht bekommen, und Äste, die in die Kronenmitte wachsen; dicht stehende Fruchtspieße lichten Sie auf 10-15 cm Abstand aus. Danach entfernen Sie Gras und anderen Bewuchs um den Stammfuß und legen eine Baumscheibe mit mindestens 90 cm Radius an, je größer, desto besser. Das verringert die Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe und hält Sie beim Mähen von der Fläche fern, wo sich der Boden sonst verdichten und das Wurzelwachstum leiden könnte. Im Frühjahr nach dem Schnitt düngen Sie die Baumscheibe und mulchen sie dann 5-8 cm hoch mit organischem Material wie Gartenkompost oder gut verrottetem Mist; mehr zur Düngung steht auf Apfelbaum düngen.

Wasserschosse

Wasserschosse sind kräftige, aufrechte Triebe. Nach dem Leitfaden der RHS zu Wasserschossen treiben sie meist im Frühjahr aus, oft in großer Zahl, nachdem ein Baum stark geschnitten oder verjüngt wurde, besonders wenn mehr als 25 % der Krone auf einmal fielen, oder wenn ein Hauptast stark eingekürzt wurde und ein kahler Stummel blieb. Sie tragen keine Früchte, können die Krone überfüllen oder ungleichmäßig wachsen lassen und das Bild des Baumes verderben.

Im ersten Winter nach ihrem Erscheinen entfernen Sie alle, die direkt aus dem Stamm oder den unteren Teilen der Hauptäste wachsen. Von den übrigen aufrechten Wasserschossen nehmen Sie die Hälfte an der Basis heraus, sodass gleichmäßig verteilte Triebe bleiben, und kappen die restlichen um etwa 10 cm, damit sie sich verzweigen. Im folgenden Winter entfernen Sie die Hälfte der behaltenen Triebe an der Basis. Hat ein Baum nur wenige Wasserschosse, können Sie sie nach dem Leitfaden zu Wasserschossen einfach dicht an ihrem Ursprung entfernen; stehen sie an spärlich bewachsenen Stellen, etwa an den unteren Teilen älterer Äste, können Sie auch einige als neue Fruchtäste stehen lassen. Einen anderen Weg beschreibt der Einsteigerleitfaden der RHS: Wasserschosse an einer günstigen Stelle, die zum Beispiel eine Lücke füllen, können Sie um etwa ein Drittel kürzen, damit sie sich verzweigen; die übrigen nehmen Sie an ihrem Ursprung heraus.

Alle Wasserschosse stark zurückzuschneiden hilft nach dem Leitfaden zu Wasserschossen nicht, es bringt nur weiteren kräftigen Neuaustrieb; die Triebe müssen über mehrere Jahre in Stufen gebändigt werden. Treibt der Baum aus älteren Ästen weiter neue Wasserschosse, können Sie erwägen, sie im Spätsommer zu entfernen, wenn das Wachstum nachlässt; das kann helfen, die Zahl neuer Wasserschosse im Frühjahr zu begrenzen.

Spalier, Kordon und Spindel im Sommer

Der Sommerschnitt ist nach dem Sommerschnitt-Leitfaden der RHS vor allem für Äpfel in Formen wie Kordon, Spalier, Fächer, Pyramide und Spindelbusch gedacht. Sie beginnen, wenn das untere Drittel der neuen Triebe steif und verholzt ist; bei Äpfeln ist das im Allgemeinen Mitte bis Ende August. Um die Gefahr eines erneuten Austriebs zu verringern, können Sie ihn bis in den September verschieben, wenn sich an den Triebspitzen größere Endknospen gebildet haben und die Triebe nicht mehr wachsen.

Neue Seitentriebe, die länger als 20 cm sind und aus dem Hauptstamm wachsen, schneiden Sie auf drei Blätter über der Blattrosette an ihrer Basis zurück. Kürzere Triebe bleiben stehen, weil sie meist mit Blütenknospen enden. Neue Triebe, die aus vorhandenen Seitentrieben wachsen, kürzen Sie auf ein Blatt über der Rosette an ihrer Basis, und aufrechte, kräftige Triebe nehmen Sie ganz heraus. So kommt nach dem Leitfaden Sonne an die reifenden Früchte, und im folgenden Jahr trägt der Baum gut.

Sicher arbeiten, und was Ihnen am Baum begegnet

Für verschieden starke Triebe und Äste brauchen Sie nach dem Winterschnitt-Leitfaden der RHS Gartenschere, Astschere und Baumsäge. Dazu gehört eine stabile Leiter, und nach dem Leitfaden lohnt es sich, über eine dreibeinige Leiter nachzudenken, die sicherer steht. Eine Schutzbrille bewahrt Sie vor Verletzungen durch Zweige und Sägemehl. Die meisten Schnitte treffen nach dem Einsteigerleitfaden Äste von 1-5 cm Durchmesser, und ein vollständig geschnittener Baum braucht vielleicht nur 10-20 Schnitte insgesamt. Ein Wundverschlussmittel brauchen Sie dabei nach dem Einsteigerleitfaden nicht, und der Leitfaden für alte Bäume empfiehlt es nicht mehr.

Obstbaumkrebs an den Trieben schneiden Sie nach dem Winterschnitt-Leitfaden möglichst heraus. Flechten fallen im Winter stärker auf; sie schaden nach dem Winterschnitt-Leitfaden nicht, können an Triebspitzen aber auf schwachen Wuchs hindeuten. Der NABU Baden-Württemberg sieht sie gern im Garten: Vögel verbauen Flechten, Moos und dünne Zweige in ihren Nestern. Viele abgestorbene Äste ohne erkennbare Ursache sind nach dem Einsteigerleitfaden ein bedenkliches Zeichen, weil dahinter ein Wurzelproblem wie Hallimasch stecken kann; hält das Absterben an, können Sie den Baum von einem Baumpfleger ansehen lassen. Eingeschrumpfte Früchte, die im Herbst von Fruchtfäule befallen wurden, schneiden Sie heraus und entsorgen sie. Bohren Sie keine Löcher in den Baum, um Wasser aus Höhlen abzuleiten, weil dadurch Krankheitserreger eindringen könnten. Mehr zu Krebs und Fruchtfäule steht auf Apfelbaum-Krankheiten.

Vögel, Gesetz und Schnittgut

Das Bundesnaturschutzgesetz bestimmt, zu welcher Zeit Bäume und Hecken beschnitten oder gefällt werden dürfen, damit die Tiere im Garten vor allem in der Brutzeit geschützt sind; so fasst es der NABU Baden-Württemberg. Die beiden NABU-Landesverbände dieser Seite lesen seinen § 39 aber unterschiedlich. Der NABU Baden-Württemberg versteht ihn so, dass vom 1. März bis 30. September weder gefällt noch kräftig zurückgeschnitten werden darf, schonende Schnitte zur Form und Pflege, die den Zuwachs des laufenden Jahres wegnehmen, aber erlaubt bleiben. Die Regel gilt nach ihm nicht bloß draußen in der Landschaft, sondern ebenso im Hausgarten. Der NABU Brandenburg bezieht das Verbot auf das Fällen von Bäumen außerhalb des Waldes; Schnitte, mit denen Bäume und Büsche in Form gebracht werden, fallen nach ihm nicht darunter. Gibt es vor Ort eine andere Bestimmung des Landkreises oder der Gemeinde, kann nach demselben Verband allerdings auch ein unsachgemäßer Rückschnitt eine Ordnungswidrigkeit sein.

Beide Verbände verweisen auf Regeln vor Ort: Innerhalb der Länder können regionale und kommunale Vorgaben abweichen, und ob Ihre Gemeinde eine Baumschutzsatzung hat, sollten Sie nach dem NABU Baden-Württemberg immer klären; auch der NABU Brandenburg rät Gartenbesitzern, sich dessen zu vergewissern. Ob ein Schnitt an Ihrem Apfelbaum als schonender Pflegeschnitt zählt, klären Sie im Zweifel am besten vorher bei Ihrer Gemeinde; das rät diese Seite. Der NABU Brandenburg empfiehlt ohnehin, sich vorher zu informieren, weil Landkreise und Gemeinden per Satzung Anderes regeln können.

Der Winterschnitt nach dem Winterschnitt-Leitfaden der RHS, meist zwischen November und Anfang März, liegt größtenteils vor dem 1. März; der Sommerschnitt ab Mitte August und ein Frühjahrsschnitt nach der Bayerischen Gartenakademie liegen dagegen im Zeitraum des § 39. Das ist eine Rechnung dieser Seite. Nach dem NABU Baden-Württemberg müssen Sie vor jedem Schnitt die Sträucher gründlich nach besetzten Nestern absuchen; der NABU Brandenburg verlangt, vorher zu prüfen, ob in den Hecken und Büschen Nester sind. Für einen Apfelbaum gilt das nach Einordnung dieser Seite ebenso. Fortpflanzungs- oder Ruhestätten wild lebender Tiere besonders geschützter Arten, etwa Baumhöhlen, in denen Fledermäuse ihr Quartier haben, oder Hecken mit Vogelnestern, stellt § 44 des Bundesnaturschutzgesetzes nach dem NABU Baden-Württemberg unter Schutz.

Das Schnittgut von Obstbäumen müssen Sie nach dem NABU Baden-Württemberg weder kompostieren noch verbrennen: Locker aufgeschichtet wird Totholz zu einem neuen Lebensraum. Eine verbreitete Möglichkeit ist die Benjeshecke, ein heckenförmiger Wall aus Totholz, Reisig und anderen Gartenresten.

Einen Überblick über weitere Schnittanleitungen gibt die Seite Schneiden, und wie Kirschbäume geschnitten werden, steht auf Kirschbaum schneiden.

Häufige Fragen

Wann schneidet man einen Apfelbaum?

Das hängt von der Baumform ab. Einen freistehenden Busch-, Halb- oder Hochstamm schneiden Sie nach dem Winterschnitt-Leitfaden der Royal Horticultural Society (RHS) in der Ruhezeit, nach dem Laubfall und vor dem Austrieb, meist zwischen November und Anfang März. Spalier, Kordon und andere platzsparende Formen bekommen einen Sommerschnitt, bei Äpfeln nach dem Sommerschnitt-Leitfaden der RHS im Allgemeinen Mitte bis Ende August. Die Bayerische Gartenakademie sieht in einem Schnitt schon Anfang November ein erhebliches Risiko, weil sich die Wunden bis zum Frühjahr nicht schließen, und verlegt ihn deshalb ins Frühjahr; Anfang März nennt sie als guten Zeitpunkt für Weinreben und Kiwi, anderes Obst kann nach ihr bis knapp vor der Blüte warten.

Wie viel darf man von einem Apfelbaum abschneiden?

Das hängt nach dem Winterschnitt-Leitfaden der Royal Horticultural Society von der Wuchskraft des Baumes ab und verlangt etwas Augenmaß; beim jährlichen Winterschnitt sollten es etwa 10-20 % der Krone sein, und ihr Einsteigerleitfaden nennt dieselbe Spanne für einen Winter. Wer zu stark schneidet, bekommt nach dem Winterschnitt-Leitfaden eine Masse kräftiger, aufrechter Triebe, die Wasserschosse. Bei einem alten Baum, den Sie verjüngen, können Sie nach dem Leitfaden der RHS für alte Bäume bis zu 25 % der Krone in einem Jahr entfernen; muss mehr weg, bleibt der Rest für die folgenden Jahre.

Darf man einen Apfelbaum im Sommer schneiden?

Für Spalier, Kordon und ähnliche Formen empfehlen der Winterschnitt- und der Sommerschnitt-Leitfaden der Royal Horticultural Society den Sommerschnitt; bei Äpfeln liegt er nach dem Sommerschnitt-Leitfaden im Allgemeinen Mitte bis Ende August. Bei einem freistehenden Baum, der trotz eher leichtem Schnitt jedes Jahr übermäßig viel neues Holz treibt, rät der Winterschnitt-Leitfaden, einen zusätzlichen Sommerschnitt zwischen Mitte August und Mitte September zu erwägen. Den § 39 des Bundesnaturschutzgesetzes lesen die beiden NABU-Landesverbände dieser Seite verschieden: Nach dem NABU Baden-Württemberg darf vom 1. März bis 30. September weder gefällt noch kräftig zurückgeschnitten werden, schonende Schnitte zur Form und Pflege, die den Zuwachs des laufenden Jahres wegnehmen, bleiben erlaubt; der NABU Brandenburg bezieht das Verbot auf das Fällen von Bäumen außerhalb des Waldes. Beide verweisen auf Satzungen vor Ort, und der NABU Brandenburg rät, sich vorher zu informieren. Ob Ihr Schnitt als schonender Pflegeschnitt zählt, klären Sie im Zweifel am besten vorher bei Ihrer Gemeinde; das rät diese Seite. Vor dem Schnitt nach Nestern zu suchen, verlangen beide Verbände für Hecken und Büsche, der NABU Baden-Württemberg gründlich und vor jedem Schnitt; nach Einordnung dieser Seite gilt das auch für den Apfelbaum.

Wie schneidet man einen jungen Apfelbaum?

Gleich nach der Pflanzung, solange er ruht, meist zwischen November und Anfang März, so der Leitfaden der Royal Horticultural Society für junge Bäume. Eine einjährige Veredlung ohne Seitentriebe kürzen Sie etwa 75 cm über dem Boden knapp über einer Knospe ein, auf der schwachwachsenden Unterlage M27 auf 60 cm; darunter sollten drei oder vier gesunde Knospen sitzen. Im nächsten Winter wählen Sie drei oder vier kräftige, gleichmäßig verteilte Seitentriebe mit weitem Winkel und kürzen sie um die Hälfte bis zwei Drittel über einer nach außen zeigenden Knospe. Früchte entfernen Sie im ersten Jahr; im zweiten dürfen bei gutem Wuchs ein oder zwei reifen.

Wie schneidet man einen alten, verwilderten Apfelbaum?

Schrittweise. Der Leitfaden der Royal Horticultural Society für alte Bäume nennt als Zeitraum den späten Herbst bis späten Winter, wenn der Baum kein Laub trägt, und höchstens 25 % der Krone pro Jahr; ein großer Umbau zieht sich über zwei oder drei Jahre. Bei großen Bäumen sollten Sie Äste mit mehr als 20 cm Durchmesser nach ihm nur entfernen, wenn es wirklich nötig ist. Der Einsteigerleitfaden der RHS rät als Faustregel, schon ab 10-12 cm Durchmesser zweimal zu überlegen, und warnt auch bei sehr alten Bäumen davor, große Äste abzusägen. Größere Bäume sollten Sie vorher von einem qualifizierten Baumpfleger auf Standsicherheit prüfen lassen.

Was tun gegen Wasserschosse am Apfelbaum?

Nicht alle stark zurückschneiden: Das bringt nach dem Leitfaden der Royal Horticultural Society zu Wasserschossen nur weiteren kräftigen Neuaustrieb; die Triebe müssen über mehrere Jahre in Stufen gebändigt werden. Sind es nur wenige, können Sie sie nach demselben Leitfaden einfach dicht an ihrem Ursprung entfernen. Im ersten Winter entfernen Sie die Triebe, die direkt aus dem Stamm oder den unteren Teilen der Hauptäste wachsen, nehmen von den übrigen aufrechten Trieben die Hälfte an der Basis heraus und kappen die restlichen um etwa 10 cm, damit sie sich verzweigen. Im Winter darauf nehmen Sie die Hälfte der behaltenen Triebe an der Basis heraus. Treibt der Baum aus älteren Ästen weiter neue Wasserschosse, können Sie erwägen, sie im Spätsommer zu entfernen, wenn das Wachstum nachlässt.

Muss man Schnittwunden am Apfelbaum verschließen?

Nein. Der Einsteigerleitfaden der Royal Horticultural Society hält ein Wundverschlussmittel bei Apfelbäumen für unnötig, und ihr Leitfaden für alte Bäume empfiehlt es nicht mehr. Nach der Bayerischen Gartenakademie schließen sich die Wunden sehr früher Schnitte bis zum Frühjahr nicht, und bei Obstgehölzen können über sie Erreger wie der des Obstbaumkrebses eindringen; sie verlegt den Schnitt deshalb ins Frühjahr.

Quellen