Amaryllis nach der Blüte: Schaft, Laub, Ruhephase, zweite Blüte
Von Foliasana · Aktualisiert: 22. September 2026
Die Blüten hängen welk am Schaft, und dahinter steht meistens dieselbe Frage: Zwiebel wegwerfen oder aufheben? Die NC State Extension und die RHS beschreiben beide einen Weg zur nächsten Blüte, und beide beschreiben ihn mit Zahlen.
Zwischen diesen beiden Wegen liegt allerdings eine Entscheidung, die dem Topf nicht anzusehen ist. Die NC State Extension schreibt gleich nach der Blüte, weniger zu gießen, und lässt das Laub vergehen. Die RHS hält die Blätter in ihrem Verfahren 1 noch monatelang am Wachsen und beginnt die kühle Phase erst Ende September. Am Ende steht bei beiden eine Ruhephase im Kühlen, und beide setzen dafür acht bis zehn Wochen an. Verschieden sind der Weg dorthin und das Licht: halbdunkel bei der NC State Extension, hell in Verfahren 1 der RHS. Dieselbe Quelle beschreibt daneben noch ein zweites Verfahren mit eigener Dauer. Alle drei Beschreibungen stehen weiter unten nebeneinander, jede mit Namen.
Der verblühte Blütenschaft
Die großen Blüten halten nach Angabe der NC State Extension drei bis vier Wochen. Danach steht der erste Handgriff an, und bei ihm sagen die Quellen dasselbe.
Die NC State Extension schreibt: Blütenstängel entfernen, das Laub aber unversehrt stehen lassen, damit es von selbst vergeht. Die RHS schreibt in Verfahren 1: verblühte Blütenschäfte bis zur Basis abschneiden, die Blätter aber weiterwachsen lassen. In Verfahren 2 schneidet dieselbe Quelle verblühte Schäfte und vergilbte Blätter bis zur Basis ab.
Der Unterschied betrifft also nicht den Schaft, sondern die Blätter. Der Schaft kommt in allen drei Beschreibungen ab.
Das Laub: hier gehen die Quellen auseinander
Am Laub entscheidet sich, wie lang die Zeit bis zur Ruhephase wird. Drei Beschreibungen stehen nebeneinander, und diese Seite gleicht sie nicht an:
- NC State Extension. Das Laub bleibt stehen und vergeht von selbst; weniger gießen. Ist das Laub braun, entfernen Sie es.
- RHS, Verfahren 1. Die Blätter wachsen weiter, versorgt durch sorgfältiges Gießen und wöchentlich einen ausgewogenen Flüssigdünger. Die Zwiebeln dürfen in ihren Töpfen über die Sommermonate nach draußen oder ins Gewächshaus, dort aber vor brennender Sonne geschützt und regelmäßig gegossen.
- RHS, Verfahren 2. Ab Ende September wird das Gießen ausgesetzt und die Pflanze trocknet allmählich aus. Die Pflanzen können dadurch zurücksterben, schreibt die Quelle, und die vergilbten Blätter werden zusammen mit den Schäften bis zur Basis abgeschnitten.
Eines eint die drei Beschreibungen: Grünes Laub schneidet weder die NC State Extension noch eines der beiden RHS-Verfahren ab. Was in Verfahren 2 weggeschnitten wird, ist ausdrücklich das vergilbte.
Wenn Sie den Topf im Sommer nach draußen stellen, hat die RHS dazu noch einen Hinweis, und der gehört an diese Stelle: Achten Sie dann auf Schnecken.
Die Ruhephase: acht bis zehn Wochen, kühl
Drei Beschreibungen stehen hier nebeneinander: eine der NC State Extension und zwei der RHS. Beim Licht sagt jede etwas anderes; bei der Dauer stimmen zwei von ihnen überein.
Die NC State Extension schreibt, die Zwiebeln brauchten nach dem Blühen eine Ruhephase, und sie nennt deren Zweck gleich mit: Erholung und Regeneration. Für Pflanzen, die im Haus stehen, verlangt sie dafür einen kühlen, halbdunklen Platz; die Temperaturangabe lautet dort 50 bis 55 Grad Fahrenheit, also 10 bis 13 °C. Diese Bedingung gehört zur Angabe dazu: Für Pflanzen im Freiland schreibt derselbe Absatz an dieser Stelle etwas ganz anderes, nämlich eine Mulchschicht.
| Weg | direkt nach der Blüte | Beginn der kühlen Phase | Dauer | Licht und Temperatur in dieser Zeit |
|---|---|---|---|---|
| NC State Extension | Laub vergeht von selbst, weniger gießen | kein Datum, Auslöser ist die Blüte | acht bis zehn Wochen | halbdunkel (in der Quelle semi-dark), 10 bis 13 °C |
| RHS, Verfahren 1 | Blätter wachsen weiter, wöchentlich Flüssigdünger, im Sommer nach draußen | Ende September | acht bis zehn Wochen | hell (in der Quelle well-lit position), etwa 13 °C |
| RHS, Verfahren 2 | Gießen wird ausgesetzt, Pflanze trocknet aus | Ende September | ein bis zwei Monate | Licht ist nicht nötig, kühler Ort wie Gewächshaus oder Garage, keine Temperaturangabe |
Zwei Dinge fallen an dieser Tabelle auf. Erstens: In beiden RHS-Verfahren stehen die Angabe zum Laub und die Angabe zum Licht in derselben Anleitung untereinander. Verfahren 1 führt die Blätter weiter und nennt einen hellen Platz; Verfahren 2 lässt die Pflanze austrocknen und schreibt, Licht sei nicht nötig. Zweitens: Eine Temperatur in Zahlen nennen nur zwei der drei, nämlich Verfahren 1 der RHS mit etwa 13 °C und die NC State Extension mit 10 bis 13 °C. Verfahren 2 nennt gar keine, dort steht nur der Ort. Und genau diese Temperatur ist es, an der in einer deutschen Wohnung alles hängt.
Eine zweite Zimmerpflanze, deren Blüte an einer kühlen Phase hängt, ist die Clivie. Die Werte sind dort andere und stehen auf der Seite Clivia-Pflege. Welche Pflanzen im Winter überhaupt ruhen und welcher Raum dafür infrage kommt, behandelt die Seite Überwintern.
Wo diese Temperatur in einer deutschen Wohnung steht
Rechnen Sie die Termine der RHS einmal auf den Kalender um. Ende September plus acht Wochen endet um den 20. bis 25. November, plus zehn Wochen um den 4. bis 9. Dezember; Ende September plus ein bis zwei Monate endet Ende Oktober bis Ende November. Der Beginn liegt damit noch knapp vor der deutschen Heizperiode; die Wochen danach liegen mitten darin, also in den Monaten ab Oktober. Und genau dann gibt ein beheiztes Wohnzimmer die verlangten 10 bis 13 °C nicht mehr her. Bei der NC State Extension steht an dieser Stelle kein Datum: Ihr Auslöser ist die Blüte selbst und nicht der Kalender. Ihre Temperaturangabe, 10 bis 13 °C, deckt die etwa 13 °C der RHS mit ab.
Einen Raum, der dafür in Betracht kommt, nennt das Gartenbau-Wiki Hortipendium in seinem Artikel Zimmerpflanzen, allerdings unter der Überschrift zum Licht und ausdrücklich für Zimmerpflanzen im Allgemeinen: Ein helles, kühles Treppenhaus sei danach oft die bessere Wahl als ein warmes Wohnzimmer. Dieselbe Quelle hängt eine Einschränkung an, und die gehört mit dazu: Vorsicht bei Zugluft. Über Hippeastrum schreibt dieser Artikel nichts; er nennt die Art an keiner Stelle.
Ein helles, kühles Treppenhaus passt damit zu Verfahren 1 der RHS, das hell und etwa 13 °C verlangt. Zum halbdunklen Platz der NC State Extension und zur Garage aus Verfahren 2 passt es nicht. Welcher Raum bei Ihnen welche Temperatur hält, beantwortet allein ein Thermometer an diesem Platz; diese Zuordnung von Raum zu Verfahren ist die Einordnung dieser Seite.
Der Neustart: wieder zum Blühen bringen
Die NC State Extension beschreibt den Neustart des Wachstumszyklus in zwei Schritten: Der Topf kommt warm und hell (in der Quelle 70 bis 75 Grad Fahrenheit, also 21 bis 24 °C), und Sie nehmen das Gießen wieder auf.
Die RHS schiebt in Verfahren 1 zwei Handgriffe davor. Was an alten Blättern noch steht, wird auf 10 cm gekürzt, gemessen ab dem Hals der Zwiebel; und von der Erde kommen die obersten 2,5 bis 5 cm heraus und frische hinein. Danach, schreibt sie, wird weiterkultiviert wie bei einer neu gepflanzten Zwiebel. Verfahren 2 endet knapper: die Pflanzen ins Licht zurück ins Haus holen und Gießen und Düngen wieder aufnehmen.
Der warme Teil ist in einer deutschen Wohnung meist der leichtere: In der Heizperiode liegt ein beheiztes Zimmer im Bereich der verlangten 21 bis 24 °C oder knapp darunter. Ob Ihr Zimmer den unteren Wert erreicht, zeigt Ihnen ein Thermometer; diese Einschätzung ist die Einordnung dieser Seite. Der helle Teil ist der knappe. Kunstlicht hält das Gartenbau-Wiki Hortipendium für Zimmerpflanzen allgemein für sehr wichtig, und es gibt dafür eine Begründung an: In der Wohnung liege das Licht in der Regel im Minimum. Auf eigene Pflanzenleuchten verweist dieselbe Quelle ausdrücklich. In der dunklen Jahreszeit kann eine Pflanzenlampe hier also sinnvoll sein. Für Hippeastrum selbst sagt dieser Artikel dazu nichts.
Für den hellen Platz gibt die RHS noch zwei Handgriffe, und beide gehören zum Neustart: Drehen Sie den Topf regelmäßig, sonst wächst der Blütenschaft in Richtung Licht, und stützen Sie Sorten mit großen Blüten.
Wie lange es dann bis zur Blüte dauert, steht in beiden Quellen, aber mit unterschiedlichem Bezug, und diese Seite hält die beiden auseinander. Die RHS verweist für den Neustart ausdrücklich auf ihre Anleitung zum Pflanzen einer neuen Zwiebel, und dort steht eine Zahl: etwa sechs bis acht Wochen vom Pflanzen bis zur Blüte. Von der NC State Extension stammt eine andere Zahl, etwa fünf Wochen, und sie hängt an einem anderen Vorgang: am Eintopfen zwischen Mitte Herbst und Spätwinter, nicht am Neustart nach der Ruhephase.
Erde, Topf und der Zeitpunkt zum Umtopfen
Beim Neustart wird nur die oberste Erdschicht getauscht, 2,5 bis 5 cm. Das Umtopfen ist davon ein eigener Termin, und die RHS setzt ihn anders an: alle zwei oder drei Jahre, und zwar von Januar bis März, nach der Blüte. Aus demselben Zeitfenster nimmt dieselbe Quelle die Brutzwiebeln ab. Aus einer Brutzwiebel wird nach ihrer Angabe in drei bis vier Jahren eine blühfähige Zwiebel, und die ist mit der Mutterpflanze identisch.
Zu Substrat und Topfgröße macht die RHS ihre Angaben beim Pflanzen einer neuen Zwiebel, nicht beim Umtopfen: als Substrat John-Innes-Erde Nr. 2 oder Universalerde, beide ausdrücklich torffrei, und einen Topf, der nur wenig größer ausfällt als die Zwiebel selbst. Ihr Satz zum Umtopfen nennt weder ein Substrat noch eine Topfgröße. Torffreie Blumenerde steht in Deutschland in Baumärkten und Gartencentern; diesen Hinweis zur deutschen Marktlage gibt weder der Anbauleitfaden der RHS noch der Eintrag der NC State Extension, er ist die Einordnung dieser Seite.
Wie tief die Zwiebel beim Pflanzen sitzt, beantworten die beiden Gartenbau-Quellen verschieden: Nach der RHS bleiben zwei Drittel der Zwiebel oben, über der Oberfläche; die NC State Extension setzt nur die Hälfte unter die Erdlinie. Beide Angaben und was daraus folgt, stehen auf der Seite Amaryllis-Pflege; wann ein neuer Topf fällig ist und wie viel größer er sein darf, behandelt die Seite Umtopfen.
Wenn sie nicht wieder blüht
Ursachen für eine ausbleibende Blüte nennt die RHS; im Eintrag der NC State Extension und im Hortipendium-Artikel Zimmerpflanzen steht dazu nichts. Der Abschnitt der RHS passt dabei genau hierher: Die drei Ursachen, die sie zuerst anführt, sind alle drei Entscheidungen aus der Zeit nach der Blüte.
- zu wenig Wasser im Sommer davor
- ein Standort, der zu schattig war
- die Zwiebel zu früh trocken gestellt
Diese drei führt die Quelle mit einem kann daran liegen ein, und sie belässt es nicht dabei: Auch ein Befall durch verschiedene Pilzkrankheiten oder Zwiebelschädlinge könne schuld sein, schreibt sie, und nennt als Beispiele eine Milbe an der Zwiebel (in der Quelle bulb scale mite) und die Große Narzissenfliege (in der Quelle large narcissus bulb fly). Die Liste ist damit nicht auf drei Punkte geschlossen, und diese Seite schließt sie auch nicht.
Zwei dieser drei Ursachen liegen genau in den Wochen, um die es hier geht. Zu früh trocken gestellt trifft den Schritt, den beide RHS-Verfahren auf Ende September datieren. Zu wenig Wasser im Sommer davor trifft die Sommermonate, für die Verfahren 1 ausdrücklich regelmäßiges Gießen vorsieht, auch wenn der Topf draußen steht.
Wenn Sie vom Symptom aus vorgehen wollen, führt das Diagnosewerkzeug für die Amaryllis Schritt für Schritt weiter.
Giftig: was das beim Schneiden und Umtopfen heißt
In diesen Wochen halten Sie zwei Dinge in der Hand, die sonst selten offen herumliegen: den abgeschnittenen Blütenschaft mit den welken Blüten und, beim Umtopfen, die Zwiebel.
Die ASPCA führt die Pflanze unter dem Namen Barbados Lily, mit dem wissenschaftlichen Namen Hippeastrum spp.; ihr Toxizitätsfeld lautet giftig für Hunde und giftig für Katzen, und als Giftstoffe stehen dort Lycorin und weitere Alkaloide. Zum giftigsten Pflanzenteil führen beide Einträge denselben Satz: Die Zwiebeln sind der giftigste Teil. Den Schweregrad für den Menschen beziffert die NC State Extension mit mittel, und sie setzt einen Satz daneben, der genau hierher gehört: Die Pflanze sei besonders schädlich für Haustiere. Zur Haut füllt dieselbe Quelle ein eigenes Feld aus und verneint dort eine Kontaktdermatitis.
Für diese Phase heißt das zweierlei. Schnittreste und abgetrocknete Blätter gehören nicht in Reichweite von Hund und Katze. Und für den Platz der Ruhephase gilt dasselbe: Ein Treppenhaus, eine Garage oder ein Gewächshaus ist für die Zwiebel ein passender Ort und für ein Tier unter Umständen ein gut erreichbarer.
Besteht der Verdacht, dass ein Tier davon gefressen hat, wenden Sie sich an Ihre Tierärztin oder Ihren Tierarzt. Der Eintrag der ASPCA nennt als Auslöser ausdrücklich den Verdacht und wartet keine Anzeichen ab. Geht es um einen Menschen, ist das für Ihr Bundesland zuständige Giftinformationszentrum die richtige Adresse, bei Lebensgefahr der Notruf 112. Mehr dazu auf der Seite Giftige Zimmerpflanzen.
Welche Anzeichen die Quellen im Einzelnen aufführen, wie der Eintrag der NC State Extension in sich uneinheitlich ist und was für Pferde gilt, steht auf der Seite Amaryllis-Pflege.