Ist Kirschlorbeer giftig? Was für Kinder, Hunde und Katzen wirklich gilt

Von Foliasana · Aktualisiert: 24. August 2026

Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) steht in sehr vielen deutschen Gärten, meist als Sichtschutzhecke. Der Name führt dabei in die Irre: Mit dem Küchengewürz Lorbeer hat die Pflanze nichts zu tun, sie gehört zu den Rosengewächsen und ist mit Kirsche und Pflaume verwandt. Und ja, sie ist giftig.

Welche Pflanzenteile sind giftig?

Alle Teile der Pflanze enthalten zyanogene Glykoside, besonders die Blätter und die Samen im Inneren der schwarzroten Früchte. Diese Verbindungen sind für sich genommen harmlos. Gefährlich werden sie erst, wenn das Pflanzengewebe zerkleinert wird: Beim Kauen treffen die Glykoside auf ein Enzym, und dabei entsteht Blausäure.

Diese Bedingung erklärt viele scheinbare Widersprüche. Die harten Kerne lassen sich nach Angabe des NABU Berlin kaum zerbeißen, ein gründlich zerkautes Blatt setzt dagegen Blausäure frei. Das Fruchtfleisch selbst ist deutlich schwächer belastet als Kern und Blatt.

Ab welcher Menge wird es kritisch?

Von den drei Quellen dieser Seite nennen zwei eine Zahl, und beide nennen drei; die dritte nennt keine. Das Giftinformationszentrum Bonn gibt an, dass bei bis zu drei Früchten in der Regel keine Vergiftungserscheinungen zu erwarten sind. Eine Meldung auf Kinder- und Jugendärzte im Netz aus dem Jahr 2002 gibt die Bundesarbeitsgemeinschaft Kindersicherheit wieder: Drei Beeren könnten bei Kleinkindern ausreichen, um Symptome hervorzurufen, etwa Übelkeit, Bauchschmerzen und Atemnot. Der NABU Berlin nennt dagegen keine Zahl und stuft eine Vergiftung von Kindern an den Beeren als sehr unwahrscheinlich ein, weil die harten Kerne kaum zu zerbeißen sind. Rechnen Sie bei kleinen Kindern also mit der vorsichtigeren Angabe.

Bei größeren Mengen kommen Erbrechen und, seltener, Kopfschmerzen, Schwindel, verlangsamte Atmung und Bewusstseinsstörungen hinzu.

Andernorts finden Sie zum Teil deutlich höhere Zahlen. Halten Sie sich im Zweifel an die niedrigere und rufen Sie das Giftinformationszentrum an; dort wird nach Menge, Zeitpunkt und Alter gefragt und im Einzelfall entschieden.

Im Verdachtsfall: Wenden Sie sich an das für Ihr Bundesland zuständige Giftinformationszentrum. Halten Sie bereit, was gegessen wurde, wie viel und wann. Lösen Sie kein Erbrechen aus. Bei Atemnot oder Bewusstseinstrübung wählen Sie sofort die 112.

Was ist giftiger, Kirschlorbeer oder Eibe? Die Eibe deutlich. Bei ihr reichen schon mehr als zwei zerkaute Samenkerne.

Kinder im Garten

Die Früchte sind das eigentliche Thema, nicht die Blätter. Sie sind glänzend, schwarzrot und sehen essbar aus – für kleine Kinder eine naheliegende Verwechslung mit Heidelbeeren oder Johannisbeeren. Reif werden sie im Spätsommer, und genau dann steht die Hecke voll.

Drei Dinge helfen mehr als jedes Verbot:

  • Schneiden Sie die Hecke nach der Blüte, dann setzt sie kaum Früchte an.
  • Sammeln Sie herabgefallene Früchte ab, wo Kleinkinder spielen.
  • Bringen Sie Kindern früh bei, dass im Garten nichts in den Mund kommt, was nicht ausdrücklich erlaubt ist. Diese Regel wirkt bei allen Gartenpflanzen gleichzeitig.

Hunde, Katzen und andere Tiere

Das Giftinformationszentrum Bonn nennt alle Pflanzenteile giftig, besonders Blätter und Samen, und der NABU Berlin bezeichnet den Kirschlorbeer als hochgiftig. Zu Hunden, Katzen oder anderen Haustieren äußern sich weder das Giftinformationszentrum Bonn noch die Meldung auf Kinder- und Jugendärzte im Netz noch der NABU Berlin; daraus folgt nicht, dass die Pflanze für Ihr Tier unbedenklich ist. Geben Sie Kirschlorbeerschnitt deshalb niemals an Tiere weiter.

Hat Ihr Tier Teile der Pflanze gefressen, fahren Sie in eine Tierarztpraxis und nennen Sie die Pflanze; nehmen Sie ein Blatt oder eine Frucht als Probe mit.

Beim Heckenschnitt

Der Schnitt gehört nicht auf den eigenen Kompost. Der NABU Berlin nennt die blausäurehaltigen Blätter nahezu unkompostierbar und führt an, dass sie auf dem Komposthaufen nur schlecht verrotten; beim Heckenschnitt kommen zudem erhebliche Mengen zusammen. Biotonne oder Wertstoffhof sind der richtige Weg.

Was Sie auf keinen Fall tun sollten, ist das Schnittgut am Waldrand oder anderswo in der Natur abzuladen. Genau das passiert nach Darstellung des NABU häufig, weil das Material sich so schlecht kompostieren lässt. Es ist verboten, und es hat Folgen: Weggeworfene Triebe können dort Wurzeln schlagen und wieder austreiben. Auf diesem Weg breitet sich die Lorbeerkirsche in die Fläche aus und nimmt heimischen Arten den Platz.

Warum Kirschlorbeer umstritten ist

Die Pflanze steht seit Jahren in der Kritik von Naturschützern, und das hat wenig mit ihrer Giftigkeit zu tun. Kirschlorbeer stammt aus Kleinasien und dem Kaukasus, wächst schnell, verträgt Trockenheit und Schatten und bleibt immergrün. Genau diese Eigenschaften machen ihn zum Problem: Vögel fressen die Früchte und tragen die Samen in Wälder, wo er dichte Bestände bildet und heimische Arten verdrängt. Als Nahrungsquelle für Insekten fällt er dagegen ab: Verglichen mit heimischen Sträuchern bietet er nach Angaben des NABU nur sehr wenigen Arten Nahrung, und seine Blüten werden vor allem von Generalisten unter den bestäubenden Insekten angeflogen.

In Deutschland ist Kirschlorbeer weiterhin frei erhältlich; über Einschränkungen wird diskutiert. Wenn Sie ohnehin neu pflanzen, sind heimische Hecken aus Hainbuche, Liguster oder gemischte Wildhecken die ökologisch bessere Wahl, und keine davon trägt Früchte, die aussehen wie Beeren.

Foto: Zweig des Kirschlorbeers mit glänzenden, ledrigen Blättern und einer Traube aus grünen, roten und schwarz gereiften Beeren.
· Bild: Prunus laurocerasus 'Zabeliana', Agnieszka Kwiecień, Nova / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0) · Wikimedia Commons

Häufige Fragen

Ist Kirschlorbeer beim Anfassen giftig?

Das Giftinformationszentrum Bonn beschreibt Symptome nach dem Verzehr von mehreren Beeren oder Blättern und schreibt, dass die Blätter gut gekaut werden müssen, um Blausäure freizusetzen. Im Verdachtsfall wenden Sie sich an das für Ihr Bundesland zuständige Giftinformationszentrum.

Wie viele Beeren sind für ein Kind gefährlich?

Von den drei Quellen dieser Seite nennen zwei eine Zahl, und beide nennen drei; die dritte nennt keine. Das Giftinformationszentrum Bonn nennt drei Beeren als Grenze, bis zu der in der Regel keine Vergiftungserscheinungen zu erwarten sind. Eine Meldung auf Kinder- und Jugendärzte im Netz aus dem Jahr 2002 gibt die Bundesarbeitsgemeinschaft Kindersicherheit wieder: Bei Kleinkindern könnten drei der kleinen rot-violetten Früchte ausreichen, um Symptome auszulösen, etwa Übelkeit, Bauchschmerzen und Atemnot. Der NABU Berlin nennt keine Zahl und hält eine Vergiftung von Kindern an den Beeren für sehr unwahrscheinlich, da die harten Kerne sich kaum zerbeißen lassen. Rechnen Sie bei kleinen Kindern mit der vorsichtigeren Angabe, und rufen Sie im Zweifel das für Ihr Bundesland zuständige Giftinformationszentrum an.

Ist Kirschlorbeer für Hunde und Katzen giftig?

Das Giftinformationszentrum Bonn stuft alle Pflanzenteile als giftig ein, besonders die Blätter und Samen; der NABU Berlin nennt die Pflanze hochgiftig. Zu Hunden, Katzen oder anderen Haustieren äußern sich weder das Giftinformationszentrum Bonn noch die Meldung auf Kinder- und Jugendärzte im Netz noch der NABU Berlin. Daraus folgt nicht, dass Kirschlorbeer für Ihr Tier unbedenklich ist. Hat Ihr Hund oder Ihre Katze Teile der Pflanze gefressen, fahren Sie ohne Umweg in eine Tierarztpraxis und nennen Sie die Pflanze beim Namen. Nehmen Sie nach Möglichkeit ein Blatt oder eine Frucht mit.

Kann ich Kirschlorbeerschnitt kompostieren?

Auf dem eigenen Komposthaufen ist er ungeeignet. Der NABU Berlin bezeichnet die blausäurehaltigen Blätter als nahezu unkompostierbar und schreibt, dass sie auf dem Komposthaufen nur schlecht verrotten. Geben Sie den Schnitt deshalb in die Biotonne oder zum Wertstoffhof. Am Waldrand oder sonst in der freien Natur hat er nichts zu suchen: Das ist verboten, und weggeworfene Triebe können dort Wurzeln schlagen und wieder austreiben.

Gibt es ungiftige Kirschlorbeer-Sorten?

Nein. Die Sorten unterscheiden sich in Wuchsform, Blattgröße und Winterhärte, nicht aber im Wirkstoff: Alle Sorten von Prunus laurocerasus enthalten zyanogene Glykoside. Wenn Sie eine Hecke ohne dieses Risiko suchen, führt der Weg über eine andere Art, nicht über eine andere Sorte.

Quellen